Franziska Oberhaus, ASH Lübbecke

Befristete Umsatzsteuersenkung 2020
5%, 7%, 16% oder doch 19%?

Mit dem zweiten Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise wurde mit Datum vom 29.06.2020 die befristete Senkung der Umsatzsteuersätze beschlossen.

In dem Zeitraum vom 01.07.2020 bis 31.12.2020 wird der allgemeine Steuersatz von 19% auf 16% und der ermäßigte Steuersatz von 7% auf 5% (z.B. für viele Lebensmittel und Bücher) gesenkt. Entscheidend für die Anwendung des richtigen Steuersatzes ist das Lieferungs- bzw. Leistungsdatum.

Besondere Probleme treten bei Lieferungen und Leistungen bzw. bei Verträgen über Dauerleistungen auf, die über den Zeitpunkt des Steuersatzwechsels hinaus ausgeführt werden.

Werklieferungen und Werkleistungen unterliegen insgesamt den gesenkten Steuersätzen, wenn sie nach dem 01.07.2020 und vor dem 01.01.2021 vollendet werden.

Wenn die Werklieferungen und Werkleistungen wirtschaftlich teilbar sind und in Teilleistungen erbracht werden, gilt Folgendes: Auf Teilleistungen, die vor dem 30.06.2020 erbracht werden, sind die bis zum 30.06.2020 geltenden Umsatzsteuersätze anzuwenden. In dem Zeitraum 01.07.2020 bis 31.12.2020 sind die befristet geltende Steuersätze (16% bzw. 5%) heranzuziehen.

Auch bei Dauerleistungen (Vermietungen, Leasing, Wartungen etc.) greift die Umsatzsteuersenkung. Nach dem 30.06.2020 und vor dem 01.01.2021 ausgeführte Dauerleistungen sind mit den Umsatzsteuersätzen von 16% bzw. 5% abzurechnen. Da meist Verträge über die Dauerleistungen, die als Rechnungen anzusehen sind, geschlossen wurden, sind diese Verträge durch eine ergänzende Unterlage anzupassen.

Bei dem Umtausch eines Gegenstandes wird die ursprüngliche Lieferung rückgängig gemacht. Wird ein vor dem 01.07.2020 gelieferter Gegenstand nach dem 30.06.2020 zurückgegeben, wird somit der Umsatz zu 19% Umsatzsteuer rückgängig gemacht.

Auch in der Gastronomie wirkt sich die befristete Umsatzsteuersenkung auf die bereits schon im Vorfeld vorgenommene Ermäßigung aus. Getränke unterliegen vom 01.07.2020 bis 31.12.2020 einem Steuersatz von 16%. Ab dem 01.01.2021 wird wie gehabt der allgemeine Steuersatz von 19% angewandt. Bei Speisen wird es umfangreicher: Bei Verzehr vor Ort werden die Speisen im Zeitraum vom 01.07.2020 bis 31.12.2020 mit 5% besteuert, anschließend vom 01.01.2021 bis 30.06.2021 mit 7% und ab 01.07.2021 mit 19%. Speisen außer Haus unterliegen vom 01.07.2020 bis 31.12.2020 der Besteuerung mit 5% und ab dem 01.01.2021 wieder mit 7% Umsatzsteuer.

Franziska Oberhaus
Steuerberaterin
in der Kanzlei ASH Rechtsanwälte Steuerberater, Lübbecke

Status: 20718

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